Von Kandinsky, Rizzi, Alt und Klee

Plettenberg, den 27.02.2013

Von Kandinsky, Rizzi, Alt und Klee



Wild, laut, begeistert, aber auch ruhig: Die Kinder reagierten unterschiedlich auf die Kunstwerke.

Foto: A. Kemper



Süderländer Tageblatt, Plettenberg, 27.02.2013

 

"Wow"-Effekt im Rathaus: Eschengrundschüler stellen eigene Kunstwerke aus



Im sonst so gesetzten Rathaus ist es am Dienstag Morgen ungewöhnlich laut, bunt und voll: Hundert Eschenschüler mischen den Bürokratie-Alltag gehörig auf.

Lachend, laut und ausgelassen stürmen sie ihre eigene Ausstellung. Bilder und Skulpturen mit kreischend bunten Blasen schmücken nun das Foyer; schillernde CDs an einem Pappmachee-Bogen zaubern Farbe an die Wände und eine farbenfroh bemalte Katze aus dem gleichen Material thront mit höhnischem Gesicht neben dem Geschehen.

Dass hier junge Grundschüler am Werk waren, fällt kaum auf: Kunst ist zu sehen; der "Wow"-Effekt stellt sich ein. Auch ein Mitarbeiter des Rathauses wagt sich mit verstohlenem Blick gleich zwei Mal an der Ausstellung mit ihren durcheinanderwirbelnden kleinen Besuchern vorbei. Aber wen wundert's, wenn der Arbeitsplatz auf einmal mit Stellwänden voll steht, die mit bunten Bildern regelrecht tapeziert wurden. Besagter Mitarbeiter, erster inoffizieller Gast noch während der Eröffnung, riskiert also den zweiten Blick - und grinst: Die Bilder strahlen ein Lebensgefühl aus, das wohl ansteckend ist.

Zwischen dem Trubel der umherwirbelnden Klassenkameraden stehen einige Schüler still und lassen das Dargebotene auf sich wirken. Mit schräg gelegtem Kopf und ernstem Gesicht studieren sie die Werke ihrer Mitschüler: Abstrakte Kreise, kleine Häuser oder Märchen in Bildform.

Seit Oktober gestalten die Klassen zwei, drei und vier die eigenen Kunstwerke - frei nach Wassily Kandinsky, James Rizzi, Paul Klee oder Otmar Alt. "Wir wollen Spaß an Kunst wecken", erklären die Kunst- und Klassenlehrerinnen Kerstin Groll und Felicitas Zélic. Dabei ist ihnen die "moderne, bunte und fröhliche Kunst" wichtig. So entstehen nach und nach viele Bilder und Skulpturen mit verschiedenen Techniken und Materialien: "Abmalen, Ausmalen, freies und eigenes Gestalten nach der Bildbetrachtung", lautet das Motto im Kunstunterricht.

Insbesondere die Arbeiten von Wassili Kandinsky erstaunen bei der Bildbetrachtung die jungen Schüler: Er hat sehr viele verschiedene Werke in unterschiedlichen Epochen geschaffen. Mal sind auf seinen Bildern dunkle Dreiecke, Vierecke und Striche zu sehen, mal viele bunte Kreise in rot, grün, weiß und orange. Auch einige verrückte Häuser hat der russische Künstler gemalt: Ganz genau sind die Umrisse und Formen der Häuser zu erkennen, nur mit den Farben scheint etwas nicht zu stimmen, denn sie sind grell und haben nichts mehr mit ihrem ursprünglichen Aussehen zu tun.

Kandinsky als Vorbild für die eigenen Arbeiten zu verwenden, ist eine Geduldsarbeit, weiß Volker Müller, der Rektor der Eschenschule: "Da stecken viele Stunden Arbeit drin. . .", würdigt er die Leistung seiner Schüler. Dem Rektor ist anzumerken, wie sehr ihm die Kunstwerke gefallen.

"Ey Leute, guckt mal, was ich gefunden habe", ruft plötzlich ein Junge übermütig und deutet immer wieder auf ein Gemälde, dass wohl jede Farbe des Wasserfarbkastens gesehen hat. Der Grundschüler hat dieses Kunstwerk im Unterricht gemalt und in der Ausstellung wiederentdeckt. Er strahlt vor Stolz: Sein Bild kann jetzt von ganz Plettenberg im Rathaus an der Grünestraße bewundert werden - und zwar kostenlos, bis zum 15. März und immer zu den regulären Öffnungszeiten (siehe Infokasten).

Weil es im letzten Jahr besonders viele schöne Bilder gab, entschieden die Lehrerinnen: "Die sollen nicht nur in den Klassenzimmern hängen". Und weil das Rathaus schon öfter Ausstellungen gezeigte habe, riefen sie kurzerhand dort an - bekamen das "Okay". Einer Präsentation von Schülerwerken stand nichts mehr im Wege.

"Wir wollen zeigen, dass die Eschenschüler auch kreativ sein können", waren sich Felicitas Zélic und Kerstin Groll bereits im Vorfeld einig. Und das zeigte sich am Dienstag nicht nur an den fröhlichen Wänden, sondern auch an der lebhaften Stimmung.

ank